Tasmea Limited – das stille Rückgrat des australischen Bergbaus
Australiens Rohstoffriesen werden nicht durch Weltmarktpreise gestoppt - sondern durch unerwartete Ausfälle. Jede Stunde Stillstand an einer Mine kostet Hunderttausende Australische Dollar und die Wiedereröffnung Millionen. Genau hier liegt der Kern unserer Investmentthese für die Tasmea Limited
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Dieser Artikel ist keine Kaufempfehlung/ keine Anlageberatung


Abbildung 1: Exemplarische Darstellung einer Mine, gefunden auf tasmea.com.au
Australiens Rohstoffriesen werden nicht durch Weltmarktpreise gestoppt - sondern durch unerwartete Ausfälle. Jede Stunde Stillstand an einer Mine kostet Hunderttausende Australische Dollar und die Wiedereröffnung Millionen. Genau hier liegt der Kern unserer Investmentthese für die Tasmea Limited – ein unverzichtbarer, spezialisierter Dienstleister für planmässige Instandhaltung, Reparaturen und Anlagen-Upgrades.
Die Tasmea Limited – gegründet und geleitet von zwei Unternehmern – ist bei seinen Kunden kein Kostenfaktor, sondern eine unerlässliche Versicherungspolice!
USD 740 Mio. – Verlust für 44 Tage Produktionsstillstand der weltgrössten Kupfermine (2017).
Unsere Investmentthese basiert auf drei Säulen:
Struktureller Rückenwind: Elektrifizierung, alternde Minen-Infrastruktur und Fachkräftemangel treiben die Nachfrage nach Tasmea´s Diensten über Jahre.
Selbstverstärkender Wachstumszyklus: Jede Akquisition stärkt das Cross-Selling, erhöht die Cashflows und finanziert weitere Akquisitionen.
Management-Alignment: Gründer und CEO halten zusammen über 60% der Anteile - und reinvestieren ihre Dividenden aktiv in neue Aktien.


Abbildung 2: Vartuli & Young zu E&A Limited Zeiten; gefunden auf capitalist-letters.com
Tasmea´s Geschichte: Scheitern, Lernen, Erfolg
Die Geschichte von Tasmea ist keine gerade Linie, sondern ein Auf und Ab seit 1999:
Stephen Young und Mark Vartuli gründen Tasmea als privates Unternehmen unter dem damaligen Namen E&A Limited. Das Unternehmen kauft Beteiligungen an Mining-Services- und Baufirmen in Australien und baut parallel Wartungsdienstleistungen für die Bergbauindustrie auf. Das Portfolio besteht aus zwei fundamental unterschiedliche Geschäftsmodellen.
Auf der einen Seite stehen die Bau- und Engineering-Projekte: kapitalintensiv, von wenigen Großprojekten abhängig, zyklisch und mit schwachen Margen (dafür aber sehr niedrigen Kaufpreisen). Auf der anderen Seite die Wartungsbetriebe: wiederkehrend, weniger kapitalintensiv, mit stabilen Kundenbeziehungen und höheren Margen (dafür teurer in der Akquisition). Die Gründer sehen diesen Unterschied in ihren eigenen Zahlen - und bevorzugen dennoch vorerst das Wachstum über schnell akquirierte Großprojekte.
2007 folgt der erste Börsengang an der ASX. Das Unternehmen gewinnt grosse Bauaufträge, der Umsatz steigt auf rund AUD 90 Mio. Dann, 2014, der Einbruch. Getrieben vom chinesischen industriellen Aufschwung erreichten die Investitionen in neue Minen und Verarbeiter in 2013/2014 ihren Zenit und Überkapazitäten machten sich bemerkbar. Bauprojekte im Berbau kollabierten. E&A Limited delisted freiwillig von der ASX - das Konstruktionsgeschäft hat strukturell versagt. Es folgt eine tiefgreifende, mehrjährige Restrukturierung.
Das wenige bestehende Geschäft im Wartungsbusiness hat die Krise deutlich besser überstanden und Young und Vartuli setzen in Ihrer Neuausrichtung dort gezielt den Fokus. Mit der Akquisition von Tasman Power in Westaustralien (2016) - einem reinen Elektrospezialisten für Bergbauanlagen - setzten sie den ersten gezielten Schritt der Neuausrichtung. Ab 2017 ist die Strategie offiziell: kein Bau mehr, nur noch Wartung.
Die Meilensteine der Transformation:
2017: Strategischer Pivot weg von Bauprojekten, hin zur spezialisierten Instandhaltung. Erste Akquisitionen im Fixed-Plant-Maintenance-Bereich. Beginn eines 23,6% CAGR-Wachstumspfades.
2020-2024: Sechs gezielte Akquisitionen; Ausbau von Wartungsleistungen in Hochspannungs-Elektrotechnik und Tiefbau. Umsatz steigt von AUD 99 Mio. (FY 2017) auf AUD 435 Mio. (FY 2024).
April 2024: Zweiter Börsengang an der ASX (Ticker: TEA).
FY2025: Vier weitere Akquisitionen mit annualisiertem Umsatzbeitrag von AUD 180 Mio. Umsatz AUD 548 Mio. (+37%), EBIT AUD 74,4 Mio. (+60%).
November 2025: Übernahme von WorkPac Group - Australiens führendem Arbeitskräftevermittler für Facharbeiter.
Das Management: Skin in the Game
Stephen Young ist Gründer, CEO und mit rund 41% der grösste Einzelaktionär von Tasmea. Mark Vartuli, Co-Gründer und Executive Director, hält weitere rund 18%. Als dritte Führungskraft wurde Jason Pryde als COO rekrutiert (Gründer zweier von Tasmea akquirierter Gesellschaften). Zusammen halten die drei Führungspersonen über 60% der ausstehenden Aktien - und reinvestieren nach eigenem Bekunden ihre Dividenden aktiv in weitere Aktien des Unternehmens.
"Mark, Jason and myself collectively hold more than 60% of Tasmea. We have a s…load of skin in the game." - Stephen Young, CEO Tasmea Limited, Annual General Meeting 2024
Die Anreizstruktur ist bemerkenswert transparent. Pryde hält Options, die an konkrete EBIT-Meilensteine bis 2028/2029 geknüpft sind:
AUD 110 Mio. EBIT: 1 Mio. Aktien
AUD 135 Mio. EBIT: weitere 1 Mio. Aktien
AUD 160 Mio. EBIT: weitere 1 Mio. Aktien
Wert zu aktuellen Aktienpreisen ca. AUD 16 Mio.
Young selbst ist Chartered Accountant - er begann seine Karriere als Partner bei Arthur Andersen und verstand früh, was gute von schlechten Geschäftsmodellen unterscheidet: Kapitalrendite, Wiederkehrbarkeit, Preissetzungsmacht. Vartuli bringt denselben Hintergrund mit: auch Arthur Andersen, dann M&A-Beratung bei Equity & Advisory. Die Gründer von Tasmea sind keine Handwerker, die ein Unternehmen gebaut haben - sie sind talentierte Kapitalallokatoren.


Abbildung 3: Umsätze, EBIT und EBIT-Marge von Tasmea seit 2021, eigene Darstellung
Das Geschäftsmodell: Twin-Pillar Growth Strategy
Tasmea ist kein klassisches Roll-up. Das Unternehmen verfolgt eine Twin-Pillar Growth Strategy: die gezielte Kombination aus organischem Wachstum und verstärkenden, disziplinierten Akquisitionen. Jede Akquisition erweitert das Leistungsangebot, verbessert das Cross-Selling, steigert den Cashflow - und ermöglicht die nächste Akquisition.
Säule 1: Organisches Wachstum - mehr aus bestehenden Kunden
Der Kern des organischen Wachstums ist die Erweiterung des Wallet-Share je Kunde. Beauftragt ein Kunde Tasmea für Shutdown Services, werden im Laufe der Zeit weitere Dienstleistungen in Elektroinstandhaltung oder Mechanik verkauft. Diese Logik nennt Tasmea Self-Perform-Capability: Je grösser das Cross-Selling - desto höher die Marge und die Kundenbindung.
Die messbaren Ergebnisse dieser Strategie seit dem IPO:
Organisches Wachstum von 12% (H1 2026)
MSAs und FMAs: Zum IPO-Zeitpunkt (April 2024) hielt Tasmea 41 Master Service Agreements und Facility Management Agreements. Bis Ende FY2025 stieg diese Zahl auf über 70 (+70%)
Diversifikation: Anteil von Kunden im Bereich Eisenerz sank um 14% auf 38% (FY2025) - nicht durch Reduktion, sondern durch Gewinnung neuer Verticals (Energie, Infrastruktur, Zivilbau).
EBIT-Marge: 13,6% in FY2025 gegenüber dem Branchendurchschnitt von rund 6-7%
Säule 2: Programmatische Akquisitionen im institutionellen Vakuum
Tasmea´s Akquisitionsziele bewegen sich gezielt in einem Grössenbereich von AUD 10-40 Mio. Transaktionswert - zu gross für die meisten Servicegesellschaften und zu klein für Private Equity. In diesem institutionellen Vakuum ist Tasmea oft der einzige ernstzunehmende Käufer - was sich in den Kaufpreisen widerspiegelt. Die Bewertungsdisziplin ist klar: attraktiv auch ohne Wachstums-, Synergie- oder Kostenoptimierungsannahmen.
Die Akquisitionskriterien sind nicht verhandelbar:
Grosser adressierbarer Markt mit struktureller, nicht-zyklischer Dienstleistungen.
Eigentümergeführt, in abgelegenen Regionen mit natürlichen Markteintrittsbarrieren
Kultureller „Fit“ zum Owner-Operator-Modell von Tasmea (dezentrale Führung, volle Eigenverantwortung)
Cross-Selling-Potenzial zu bestehenden Kunden im Tasmea-Netzwerk
Attraktiver Einstandspreis: nicht mehr als 5x EBIT
Seit dem Börsengang im April 2024 hat Tasmea fünf Akquisitionen abgeschlossen - vier in FY2025, eine in FY2026. Zusammen fügten diese Transaktionen annualisiert rund AUD 180 Mio. Umsatz und AUD 31 Mio. nachhaltig erzielbaren EBIT hinzu.
Die Wettbewerbsvorteile in der australischen Einöde!
1. Geografische Nischenstrategie
Rund 70% der australischen Bevölkerung lebt an der Ostküste. Tasmea ist vor allem in den abgelegenen Regionen Westaustraliens, Queenslands und des Northern Territory aktiv. Diese Standorte erfordern erhebliche Investitionen in Logistik, Personal und Infrastruktur. Für einen neuen Wettbewerber, der von Null startet, ist dieser Aufbau unter gegebenen Arbeitskräftebedinungen in einem angespannten Markt fast nicht realisierbar. Das lokal vorhandene Fachpersonal ist mit größer Wahrscheinlichkeit bereits bei Tasmea angestellt.
2. Master Service Agreements als Burggraben
Tasmea hält über 40 Master Service Agreements (MSAs) und Facility Management Agreements mit Blue-Chip-Kunden. Diese langfristigen Rahmenverträge sichern wiederkehrende Umsätze und schaffen operative Planbarkeit. 95% des Umsatzes stammt von Wiederholungskunden. Der Wechsel eines Dienstleisters für Anlagenwartung in einer abgelegenen Mine ist kein einfacher Vorgang - es bedeutet zusätzliches Risiko in einem kritischen Bereich.
3. Portfolio-Breite als struktureller Vorteil
Mit 26 Tochtergesellschaften in fünf Segmenten (Electrical, Mechanical, Civil, Water & Fluid, Workforce Solutions) ist Tasmea nicht von einem einzelnen Rohstoff, Kunden oder Sektor abhängig. Das Unternehmen betreut über 30 Blue-Chip-Kunden gleichzeitig. Der Ausfall eines einzigen Kunden ist nach Managementangaben nicht materiell für das Gesamtergebnis.
4. Spezialisierter Arbeitsmarkt-Zugang durch WorkPac
Facharbeiter in abgelegenen australischen Regionen sind das eigentliche Engpassgut. WorkPac, Australiens führender Personalvermittler für spezialisierte Blaue-Kragen-Arbeit, sichert Tasmea hier einen strukturellen Wettbewerbsvorteil: Wer die Arbeitskräfte kontrolliert, kontrolliert den Markt. Gleichzeitig eröffnet WorkPac Zugang zu 50 zusätzlichen Standorten, an denen Tasmea bisher nicht präsent war.
Drei strukturelle Wachstumstreiber
1. Elektrifizierung und Net-Zero bis 2050
Australien hat gesetzlich verankert, bis 2050 netto-null Emissionen zu erreichen. Das bedeutet: Das gesamte australische Stromnetz muss auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Solaranlagen, Windparks, neue Übertragungsleitungen, Hochspannungsinfrastruktur - alles muss gebaut, angeschlossen und gewartet werden. Tasmea´s Electrical-Segment - das größte und am schnellsten wachsende mit +66% Umsatz in FY2025 - ist direkt in diesen Investitionsstrom positioniert. Das Management kommuniziert in quasi jeder Investorenveranstaltung, dass es mehr Aufträge hätte, als es Personal zur Ausführung hat. Dieses Ungleichgewicht hat eine Laufzeit von Jahrzehnten.
2. Australiens alternde Rohstoffinfrastruktur
Australien sitzt am unteren Ende der Kostenkurve für Eisenerz: massive Lagerstätten, einfach zu fördern, strategisch nah an den Hauptabnehmern China und Indien gelegen. Die Minenlebenszeiten betragen typischerweise 30-50 Jahre. Das bedeutet: Ein Großteil der heute aktiven australischen Bergbauanlagen wurden in den 1980er und 1990er Jahren gebaut. Sie altern. Je älter eine Anlage, desto höher der Wartungsaufwand. Viele Betreiber fahren ihre Anlagen zudem mit höherer Kapazität als ursprünglich konzipiert - was den Verschleiß beschleunigt. Hinzu kommen Gold, Kupfer und seltene Erden, die für die Energiewende weltweit dringend benötigt werden. Für Tasmea bedeutet das: Strukturell wachsende Nachfrage, unabhängig vom kurzfristigen Rohstoffpreis.
3. Fachkräftemangel als Barriere und Hebel
Australien leidet an einem strukturellen Mangel an qualifizierten Handwerkern in abgelegenen Regionen. Dieser Engpass ist ein Risiko für alle - aber für Tasmea ein doppelter Hebel: Einerseits erhöhen knappe Arbeitskräfte die Preissetzungsmacht. Andererseits ist WorkPac nun das Instrument, das Tasmea diesen Engpass besser managen lässt als jeden Wettbewerber.
WorkPac: eine Basis für langfristiges Wachstum
Tasmea´s größte operative Herausforderung ist keine kommerzielle - es ist eine strukturelle: Fachkräftemangel. Australien leidet an einem akuten Engpass an qualifizierten Handwerkern in abgelegenen Regionen. Tasmea´s Management hat wiederholt festgehalten, dass es mehr Aufträge hat als Personal zur Ausführung - ein strukturelles Wachstumshindernis, das mit der 2025 erworbenen WorkPac direkt adressiert wird. Das Unternehmen verfügt:
6.000+ Facharbeiter täglich im Einsatz (Field Team Members)
1,3-1,5 Millionen registrierte Kandidaten in der Datenbank - Australiens größter Blue-Collar-Talentpool
15.000+ Arbeitsvermittlungen pro Jahr; 27 Büroniederlassungen im ganzen Land
96% wiederkehrende Umsätze; Branchenmix: 54% Bergbau/Rohstoffe, 38% Industrie
Bis 2028 wird Australiens Fachkräftemangel im Bau- und Ressourcensektor auf 90.000 fehlende Stellen geschätzt. Große, komplexe Shutdowns erfordern die schnelle Mobilisierung von Hunderten Facharbeitern an abgelegenen Standorten. Ohne gesicherten Arbeitskräftezugang verliert Tasmea solche Ausschreibungen. WorkPac löst dieses Problem fundamental: Tasmea kann jetzt Arbeitskräfte in einer Geschwindigkeit und Skalierung mobilisieren, die kein reiner Wartungskonkurrent realisieren kann. Das ist ein nicht-kopierbarer Wettbewerbsvorteil.
„WorkPac is a Ripper of an Acquisition“ - Stephen Young, CEO Tasmea Limited, WorkPac Akquisitions-Praesentation, November 2025
Bereits sechs Monate nach Closing der Akquistion (H1 2026) sind erste Ergebnisse sichtbar:
20 neue oder verlängerte MSAs während der Integrationsphase geschlossen
140+ neue Stellen besetzt
AUD 2 Mio. annualisierte Kostensynergien bereits realisiert (Property-Konsolidierung, Recruitment-Effizienz)
WorkPac kann langfristig die – bis dato - wichtigste Akquisition für Tasmea seit dem IPO sein!
Finanzielle Performance
Seit dem Börsengang im April 2024 hat Tasmea eine bemerkenswerte Wachstumsbeschleunigung vollzogen. Das Unternehmen wuchs organisch und durch gezielte Akquisitionen in einem Tempo, das selbst im australischen Small-Cap-Universum heraussticht - und das bei gleichzeitig steigender Marge.
Das erste vollständige Geschäftsjahr nach dem IPO (per 30. Juni 2025) übertraf alle Erwartungen deutlich:
Umsatz: AUD 547,9 Mio. (+37% gegenüber FY2024)
EBIT: AUD 74,4 Mio. (+60%), EBIT-Marge 13,6% - doppelt so hoch wie der Branchendurchschnitt
NPAT: AUD 53,1 Mio. (+74%); EPS AUD 0,232 (+53%)
Pro-Forma-Umsatz: AUD 620,8 Mio. (+52%) unter Berücksichtigung annualisierter Akquisitionsbeiträge
Auftragsbuch: AUD 600 Mio. - ein Rekordstand, der starke Sichtbarkeit auf FY2026 und darüber hinaus bietet
H1 FY2026 - Beschleunigung setzt sich fort
Das erste Halbjahr FY2026 (Juli bis Dezember 2025) bestätigte die Wachstumsdynamik - und zeigte erstmals auch den WorkPac-Beitrag:
Underlying EBIT: AUD 44,3 Mio. (+36% ggü. Vorjahr)
NPAT: AUD 26,6 Mio. (+32%)
Organisches EBIT-Wachstum: 12% - also auch ohne Akquisitionen nachhaltiges Wachstum aus bestehenden Kunden und Cross-Selling
Ausblick auf 2028/2029
Der Blick auf die mittlere Frist ergibt sich aus der Anreizstruktur des Managements: Die Optionen von COO Jason Pryde sind an EBIT-Meilensteine von AUD 110, 135 und 160 Mio. geknüpft. Das Management kommuniziert damit implizit, dass es dieses Ziel bis Ende 2028 oder 2029 anstrebt. Auf Basis der aktuellen Wachstumsdynamik werden die Ziele sogar vorher erreicht.
Die Bilanz unterstützt dieses Wachstumsprofil mit einer konservativen Verschuldungsstruktur. Tasmea hat sich selbst eine Obergrenze von 2,25x Net Debt / EBIT gesetzt und liegt derzeit mit rund AUD 105 Mio. Nettoverschuldung bei ca. 1,4x - komfortabel unterhalb des selbstgesteckten Rahmens und mit ausreichend Spielraum für weitere Akquisitionen.


Tabelle 1: Kennzahlen und Szenarien der Tasmea; eigene Darstellung
Der Wettbewerb: Klarer Fokus und Akquisitionsdisziplin zahlen sich aus
Tasmea´s Konkurrenten sind Unternehmen, die ebenfalls Instandhaltungsleistungen für die australische Bergbau- und Energieindustrie erbringen: Monadelphous Group (ASX: MND) und NRW Holdings (ASX: NWH). Der Vergleich mit diesen beiden offenbart Tasmea´s strukturelle Vorteile
Monadelphous ist mit einem Jahresumsatz von AUD 2,16 Mrd. (FY2025) rund viermal so gross wie Tasmea und gilt als der etablierte Marktführer im australischen Engineering- und Instandhaltungsbereich. Monadelphous betreibt jedoch zwei Segmente parallel - Construction (grosse Bauprojekte) und Maintenance & Industrial Services.
Das Construction-Segment zieht dabei kontinuierlich Kapital, Managementaufmerksamkeit und Risikokapazität ab. In guten Jahren liefert es Umsatzvolumen; in schwachen Jahren - wie die Vergangenheit gezeigt hat - liefert es Verluste. Das Ergebnis: Die EBIT-Marge von Monadelphous beträgt trotz AUD 2 Mrd.+ Umsatz lediglich rund 3,9% - gegenüber 13,6% bei Tasmea.
NRW Holdings ist mit AUD 3,27 Mrd. Umsatz noch grösser, aber das Bild ist noch deutlicher. Das Unternehmen operiert in den Bereichen Civil (Tiefbau), Mining (Contract Mining, Bohr- und Sprengarbeiten) und Minerals, Energy & Technologies. Obwohl NRW ebenfalls Wartungsleistungen anbietet, dominiert das zyklische Konstruktionsgeschäft die Bilanz. In FY2025 brach der Gewinn um 74% auf AUD 27,7 Mio. ein - trotz Umsatzwachstum von 12%. Die EBIT-Marge liegt bei rund 0,8%.
Bei beiden Unternehmen zeigt sich die Schwäche des Bausektors: in Abschwungphasen werden Bauaufträge gestrichen, Fixkosten bleiben bestehen und die profitablen Wartungsgeschäfte können den Schaden kaum kompensieren. Genau dieses Modell hat Tasmea bis 2014 selbst durchlebt - und bewusst hinter sich gelassen.
Unser Fazit: Tasmea ist kein Konkurrent von Monadelphous oder NRW - es ist die bessere Version des relevantesten Teils ihrer Geschäftsmodelle. Während die grossen Wettbewerber ihre Wartungsgeschäfte mit zyklischen Bauprojekten verwässern, hat Tasmea eine Lektion aus eigener Vergangenheit gezogen und ein reines, margen- und wachstumsstarkes Modell gebaut.
Die Risiken
Akquisitionsintegration: Tasmea wächst aggressiv. Jede Integration bindet Managementkapazität. Die WorkPac-Übernahme ist die bislang größte und bringt ein völlig neues Segment mit.
Rohstoffzyklizität: Rund 80% der Umsätze sind an die australische Rohstoffindustrie geknüpft. Ein nachhaltiger Preisverfall bei Eisenerz könnte die Wartungsbudgets der Kunden mittelfristig beeinflussen. Tasmea wirkt dem durch breite Kundendiversifikation (30+ Kunden) und Diversifikation in nicht-rohstoffgebundene Sektoren entgegen.
Geopolitik: Ein wesentlicher Teil der australischen Rohstoffexporte geht nach China. Eine Eskalation des geopolitischen Spannungsfelds (z.B. Taiwan) könnte die australische Wirtschaft und damit indirekt Tasmea´s Auftraggeber belasten. Das Szenario gilt als wenig wahrscheinlich, sollte aber bewertet werden.
Fachkräftemangel: Steigende Lohnkosten für spezialisierte Handwerker können die Margen unter Druck setzen. WorkPac wirkt hier als Gegengewicht - aber ist selbst noch in der Integrationsphase.
Nachfolgerisiko: Founder Stephen Young und Mark Vartuli sind die kulturelle DNA des Unternehmens. Ein Ausscheiden eines der beiden in der aktuellen Wachstumsphase wäre ein ernsthaftes Risiko.
Bewertungsszenarien 2030 - eigene Schätzungen
Unsere Annahmen sind – wie immer – bewusst konservativ gehalten. Unsere Gründe:
Im Wartungs- und generellen Servicebereich von Heavy Asset Industries sind bei hochspezialisierten Unternehmen teils EBIT-Margen von mehr als 16% möglich. Je nach Unternehmen muss hier jedoch auf Segmentzahlen gegriffen werden, welche eine andere Dynamik aufweisen als Margen über das Gesamtbusiness hinweg. Aus dem Grund nehmen wir trotz der hohen Spezialisierung, der Wettbewerbsvorteile und der Unverzichtbarkeit der Services von Tasmea einen Abschlag vor.
Gleichermassen glauben wir an ein gewisses Premium in der Bewertung, welche wir bei maximal 20x im P/E sehen. Dies wird vor allem durch das langfristig signifikante Wachstumspotential aufgrund der strukturellen Gegebenheiten der Australischen Heavy Assets Industrien unterstrichen. Hier glauben wir jedoch langfristig an eine Abschwächung der bis anhin sehr hohen Wachstumsraten.


Abbildung 4: Kursentwicklung der Tasmea Ltd seit IPO im April 2024; gefunden auf tikr.com
Basis: Marktkapitalisierung AUD 1.396 Mio. (Stand April 2026); Basisumsatz 2026: AUD 800 Mio. (run-rate); Wachstumshorizont 5 Jahre (2025–2030); eigene Schätzungen OHP.
Fazit
Die australische Tasmea Limited ist Bestandteil unseres OHP Unternehmerfonds.
Tasmea ist das, was langfristige Investoren suchen und selten finden: ein Unternehmen mit einem bewiesen funktionierenden Wachstumsmodell, in dem das Management mit über 60% investiert ist, und welches signifikanten strukturellen Rückenwind hat
Die Geschichte des Scheiterns - 2014, das Delisting, die Restrukturierung - ist nicht eine Schwäche des Unternehmens. Sie ist die Quelle seiner Stärke. Stephen Young und Mark Vartuli wissen, wie man ein Unternehmen verliert. Genau deshalb wissen sie, wie man es hält und wachsen lässt.
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